One Stop Europe 2014 – Offene gesellschaftliche Innovation

Das war die One Stop Europe 2014.
Offene gesellschaftliche Innovation.

Vom 15.-16. Mai 2014 fand die internationale Tagung One Stop Europe 2014 in Stuttgart statt.
Eine Keynote-Präsentation, 5 Panels, 16 Vorträge, eine Abenddiskussion und rund 100 hochkarätige Teilnehmer aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft. Eine Bilanz.

OSE 2014 - 0005Rund 100 interessierte Experten aus Politik, Verwaltung und Wissenschaft folgten der Einladung der Alcatel-Lucent Stiftung zur internationalen Konferenz One Stop Europe 2014 zum Thema „Offene gesellschaftliche Innovation“. In zahlreichen qualitativ hochwertigen Fachvorträgen von Praktikern und Wissenschaftlern wurde der Frage nachgegangen, wie Bürger wertvolle Beiträge in Politik und Verwaltung einbringen können.

Offene gesellschaftliche Innovation beschreibt das im wirtschaftlichen Kontext bereits etablierte Prinzip der offenen Innovation in seiner Anwendung auf gesellschaftliche Fragestellungen und Herausforderungen. Methoden offener Innovation, wie etwa der Rückgriff auf die Weisheit der Vielen oder der Lead-User-Ansatz, werden dabei behutsam adaptiert und auf gesellschaftliche Fragen angewendet. Damit steht offene gesellschaftliche Innovation im Kontext von Open Government und offenem Verwaltungs- und Regierungshandeln (Open Government Collaboration).

Mit der One Stop Europe 2014 und dem Thema „offene gesellschaftliche Innovation“ lud die Alcatel-Lucent Stiftung für Kommunikationsforschung mit dieser Tagung zu einem hochbrisanten und aktuellen Thema, dessen Tragweite sich in den kommenden Jahren erst noch zeigen und weiter entfalten wird.

Unterstützt wurde die Alcatel-Lucent Stiftung vom Innenministerium Baden-Württemberg in Stuttgart, in dessen Räumen die Tagung stattfand sowie von der Hochschule für Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg und der Zeppelin Universität in Friedrichshafen – The Open Government Institute (TOGI).

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Der Tagungsraum im Innenministerium Baden-Württemberg, Stuttgart.

Den Auftakt der diesjährigen One Stop Europe machte Prof. Dr. Christoph Bieber von der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen mit seiner Keynote-Präsentation. In seinem Vortrag mit dem Titel „Kreative Demokratie“ diskutierte er, wie gut informierte Bürger die digitale Modernisierung von Politik und Verwaltung vorantreiben können. Der Begriff der „kreativen Demokratie“ ist dabei keine neue Erfindung, sondern geht zurück auf den amerikanischen Philosophen John Dewey im Jahr 1939. Demokratie wird dabei als moralisches Ideal beschrieben, als ein Lebensweg und eine Erfahrung des Vertrauens in die menschliche Natur, den Menschen und den Glauben an die Zusammenarbeit mit anderen (Präsentation_Bieber).

OSE 2014 - S118
Keynote-Präsentation „Kreative Demokratie“ von Prof. Dr. Christoph Bieber.

Im ersten Konferenzpanel folgte dann in drei Vorträgen eine Einführung und Definition zu offener gesellschaftlicher Innovation. Das Panel wurde eröffnet von Prof. Dr. Dennis Hilgers von der Johannes Kepler Universität Linz, Österreich zum Thema Open Innovation im öffentlichen Sektor (Präsentation_Hilgers). Im anschließenden Vortrag mit dem Titel Staatsmodernisierung durch Open Innovation diskutierte Johann Herzberg von der Landeshauptstadt Stuttgart wie wichtig das Lernen für eine formale Institution ist (Präsentation_Herzberg). Den Abschluss der Einführung machte Prof. Dr. Jörn von Lucke, Professor am Lehrstuhl für Verwaltungs- und Wirtschaftsinformatik und Leiter des „The Open Government Institute“ an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen (Präsentation_vonLucke).

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Vortrag von Prof. Dr. Jörn von Lucke: Offene gesellschaftliche Innovation.

Das nachfolgende Panel widmete sich Beispielen und Erfahrungen von offener gesellschaftlicher Innovation im Kontext politischen Engagements. Prof. Dr. Ortwin Renn von der Universität Stuttgart führte ein in das Thema der politischen Beteiligung (Präsentation_Renn). Den ersten Praxisbeitrag lieferte Fabian Reidinger vom Staatsministerium Baden-Württemberg. Er argumentierte für eine „Politik des Gehörtwerdens“ und stellte das Beteiligungsportal vor, in dem es politische elektronische Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg geht sowie weitere Beteiligungsprojekte der Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg Gisela Erler (Präsentation_Reidinger). Es folgte Stephan Jaud vom Innenministerium Baden-Württemberg, Stuttgart, der den Prototypen des Planungsregisters Baden-Württemberg öffentlich präsentierte und damit einen Weg zur Beteiligung an öffentlichen Vorhaben aufzeigte (Präsentation_Jaud). Die Oberbürgermeisterin der Stadt Lörrach und designierte Hauptgeschäftsführerin des Städtetags Baden-Württemberg Gudrun Heute-Bluhm, berichtete von praktischen Erfahrungen mit Impulsen der Bürger in die Kommunalpolitik in ihrer Kommune im Rahmen von „Miteinander Gestalten“. Darunter Stadtteilkonferenzen, Stadtgestaltung, Mobilitätsgestaltung oder das Flussrenaturierungsprojekt „Wiesionen“. Sie schloss ihren Vortrag mit dem Fazit, dass sich Bürger mit vielfältigen Impulsen in die Stadtpolitik einbringen würden. „Bürger werden in Planungsprozesse einbezogen und in Kommissionen vertreten. Dies führe zu einer engen Verzahnung zwischen Verwaltung, Gemeinderat, sachkundigen Bürgern und Institutionen und einer oft breiten und nachhaltigen Zustimmung zu den Ergebnissen der Projekte und Planungsprozesse“ (Heute-Bluhm) (Präsentation_HeuteBluhm).

OSE 2014 - S158
Von links: Stephan Jaud, Fabian Reidinger, Gudrun Heute-Bluhm, Ortwin Renn.

Im darauffolgenden Panel wurden Erfahrungen mit offener gesellschaftlicher Innovation in der öffentlichen Verwaltung vorgestellt und diskutiert. Den einführenden akademischen Vortrag dazu lieferte Prof. Dr. Hermann Hill von der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer mit seiner Präsentation zum Thema Wandel von Verwaltungskultur und Kompetenzen durch Öffnung für gesellschaftliche Innovation (Präsentation_Hill). Den ersten Praxisbeitrag lieferte Rudolf Bosch, Abteilungspräsident des Regierungspräsidiums Freiburg zum Thema Regionale Schulentwicklung – Dialog und Beteiligung. Anschließend stellten Andreas Brand, Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen und Peter Sauter vom Landratsamt Bodenseekreis „Sags-doch.de“ aus Friedrichshafen und dem Bodenseekreis vor, das Service für Bürgeranregungen (Präsentation_Brand_Sauter).

Äußerst kontrovers diskutiert wurde in der anschließenden Paneldiskussion am Abend zum Thema „Open Innovation, Open Government, Open Data und Big Data“. Dabei wurde der Frage nachgegangen, wie in den Spannungsfeldern zwischen Freiheit und Privatsphäre, Vertraulichkeit und Transparenz konstruktiv mit offener Innovation und offener Gesellschaft umgegangen werden kann. Im Kreis der Diskutanten waren Constanze Kurz, Sprecherin des Chaos Computer Club, Berlin, Prof. Dr. Thomas Gordon von der Gesellschaft für Informatik, Jörg Klingbeil, Landesbeauftragter für Datenschutz Baden-Württemberg sowie Prof. Dr. Robert Müller-Török von der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg. Moderiert wurde die gleichermaßen sachliche wie emotionale Diskussion von Prof. Dr. Helmut Krcmar, Technische Universität München.

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Von links: Robert Müller-Török, Constanze Kurz, Thomas Gordon, Jörg Klingbeil.
Moderation: Helmut Krcmar.

Der zweite Konferenztag wurde eröffnet von Celina Raffl von der Zeppelin Universität Friedrichshafen, die in ihrem Vortrag die aktuellsten Zwischenergebnisse des Forschungsprojektes „eSociety Bodensee 2020 – Offene gesellschaftlicheOSE 2014 - 0032 Innovation in der Bodensee-Region“ präsentierte und die Toolbox für offene gesellschaftliche Innovation (TosiT – The Open Societal Innovation Toolbox) vorstellte. Ziel des Werkzeugkastens ist es eine breite Sammlung möglicher Online-Dienste und Services bereitzustellen. Dies soll es interessierten Akteuren ermöglichen, je nach deren eigenen Vorstellungen und Ansprüchen, gemäß den relevanten Rahmenbedingungen die geeigneten Werkzeuge für ihre Innovationsprojekte auszuwählen. Teil des Werkzeugkastens ist eine Datenbank in welcher konkrete Online-Dienste und Plattformen für die praktische Umsetzung von Innovationsprojekten gesammelt und vermittelt werden (Präsentation_Raffl). Im anschließenden Vortrag präsentierte Prof. Dr. Tino Schuppan vom IfG eGovernment Competence Center, Potsdam „Szenarien für eine IT-basierte Transformation von Staatlichkeit“ (Präsentation_Schuppan). Anschließend wurde durch Adrian Gerber mit ATIZO 360° eine Plattform für Ideensammlung, Crowdsourcing, Co-Creation und Open Innovation in der Schweiz vorgestellt. Neben erfolgreichen Beispielen aus der Privatwirtschaft wurden auch Anwendungsfälle und ein konkretes Beispiel der Zusammenarbeit miP1020961t einer öffentlichen Verwaltung in der Schweiz vorgestellt (Präsentation_Gerber). Den Abschluss dieses Panels bildete ein weiterer Vortrag aus dem internationalen Forschungsprojekt „eSociety Bodensee 2020“. Dr. Hans-Dieter Zimmermann von der Hochschule für angewandte Wissenschaften FHS St. Gallen referierte zum praktischen Thema „Social Media für Ideen- und Kreativwettbewerbe“ (Präsentation_Zimmermann).

Im abschießenden Panel wurde ein Ausblick von offener gesellschaftlicher Innovation gegeben. Fokus lag dabei auf der regionalen Umsetzung. Dr. Gunter Czisch, Erster Bürgermeister der Stadt Ulm und Christian Geiger, ebenfalls von der Stadt Ulm stellten mit „Projekt ulm 2.0“ ein Beispiel einer regionalen Umsetzung von offener gesellschaftlicher Innovation vor (Präsentation_Czisch_Geiger). Zum Abschluss der Veranstaltung zeigte Prof. Dr. Jörn von Lucke weiteres Potential von offener gesellschaftlicher Innovation auf und stellte die Frage nach anstehenden Forschungsfragen bzw. weiteren Forschungs- und Verbesserungsbedarf (Abschlusspräsentation_vonLucke). Außerdem wurde gemeinsam mit den Gästen nach Themenvorschlägen für die One Stop Europe 2015 gesucht.

OSE 2014 - S105
Prof. Dr. Jörn von Lucke beim abschließenden Brainstorming für die OSE 2015.

Die zahlreichen qualitativ hochwertigen Vorträge trugen maßgeblich zum Erfolg der One Stop Europe 2014 bei. Das Organisationsteam bedankt sich bei allen Vortragenden, Diskutanten, Moderatoren und Zuhörern für kritische Impulse, sachliche Diskussionen und zukunftsweisende Ideen.

Dank gilt auch der Alcatel-Lucent Stiftung für Kommunikationsforschung für die großartige Organisation sowie dem Innenministerium Baden-Württemberg in Stuttgart, welches die Konferenzräume zur Verfügung stellte.

Rückmeldungen zur OSE 2014

Vielen Dank […]. Ich fand die Konferenz ebenfalls sehr gelungen und freue mich auf ein Wiedersehen.

Herzlichen Dank. Hat Spass gemacht.

Vielen dank für die einladung zu der spannenden veranstaltung.

Vielen Dank […]. Die Tagung war aber auch professionell und kompetent von Ihnen vorbereitet worden.

Vielen Dank für die […] Einladung.  Die Konferenz hat mir sehr gut gefallen und ich fand es sehr nützlich.

Alle Referenten im Überblick (mit Präsentationsfolien)

Bieber, Christoph: Kreative Demokratie (Präsentation_Bieber)
Bosch, Rudolf: Schulreform (keine Präsentationsfolien)
Brand, Andreas & Sauter, Peter: Sag’s-Doch.de (Präsentation_Brand_Sauter)
Czisch, Gunter & Geiger, Christian: Projekt ulm 2.0 (Präsentation_Czisch_Geiger)
Gerber, Adrian: ATIZO 360° (Präsentation_Gerber)
Herzberg, Johann: Staatsmodernisierung durch OI (Präsentation_Herzberg)
Heute-Bluhm, Gudrun: Bürgerimpulse in der Kommunalpolitik (Präsentation_HeuteBluhm)
Hilgers, Dennis: OI im öffentlichen Sektor (Präsentation_Hilgers)
Hill, Hermann: Wandel von Verwaltungskultur (Präsentation_Hill)
Jaud, Stephan: Planungsregister (Präsentation_Jaud)
von Lucke, Jörn: Einführung OGI (Präsentation_vonLucke)
von Lucke, Jörn: Ausblick OGI (Abschlusspräsentation_vonLucke)
Raffl, Celina: TosiT – Datenbank für OGI (Präsentation_Raffl)
Reidinger, Fabian: Beteiligungsportal (Präsentation_Reidinger)
Renn, Ortwin: Bürgerbeteiligung (Präsentation_Renn)
Schuppan, Tino: Szenarian IT-basierter Staatlichkeit (Präsentation_Schuppan)
Zimmermann, Hans-Dieter: Social Media für Ideenwettbewerbe (Präsentation_Zimmermann)

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